Erfahrungen mit Tesla Model S75D nach 8 Wochen / 7000km

Da einige von euch wissen wollten, wie der Alltag und Langstreckentauglichkeit von meinem Tesla sind, kommt hier ein Bericht nach 8 Wochen und knapp 7000km.
Positiv:
Die Performance ist der Hammer. Ein Druck auf das „Gaspedal“ ist wie ein Katapult.
Keine Motorvibrationen mehr, kein schalten / ruckeln mehr von Gänge, kein lauter Motor. Das ist wie ICE fahren.
Ich muss nicht mehr zum Tanken. Meine letzten Fahrzeuge haben mit einer Tankfüllung um die 500km bei meiner Fahrweise geschafft. Dafür hätte ich bei den 7000km ca 14 mal zur Tankstelle müssen, was jeweils ca 5 min dauert mit bezahlen, Umweg fahren usw… also 70 min gespart. Beim Tesla muss ich alle 350km in meiner eigenen Garage einen Stecker einstecken. Das kostet mich 5-10 Sekunden.
Ich muss nicht mehr zum Service. Es gibt keinen vorgeschriebenen Service und es gibt nicht wirklich was, was man machen müsste, außer vielleicht einmal im Jahr Scheibenwischer wechseln. Kein Öl, keine Zündkerzen, kein Luftfilter… nichts. Geht man zum Tesla Service, dann werden die Räder von vorne nach hinten getauscht, Luftdruck in den Reifen geprüft, Batterie im Schlüssel ausgetauscht, Scheibenwischer ausgetauscht und Sturz / Spur eingestellt, wenn nötig. Ich werde das nicht machen. Die Scheibenwischer traue ich mir selbst zu tauschen. 
Bremsen halten um die 300.000km, da nicht gebremst wird, sondern rekuperiert wird. Geht man vom Gaspedal weg, dann wird der Motor als Generator verwendet und kann mit 80kW / 108PS verschleißfrei bremsen. Das ist schon ziemlich viel – für eine Vollbremsung reicht es aber nicht. Bremsstaub hab ich auf meine Felgen nicht gesehen.
Ich darf in manche Städte kostenlos Parken und darf die Busspur / Taxispur verwenden.
Ich kann auch in viele Städte kostenlos laden (Ulm, Friedrichshafen und Riedlingen habe ich schon probiert). An Supercharger von Tesla kann ich lebenslang kostenlos Laden. Daheim bezahle ich 17ct/kWh (vergünstigter Strom für abschaltbare Lasten: Elektroautos / Wärmepumpen / Nachtspeicheröfen), bei einem Durchschnittsverbrauch von 21kWh / 100km. Macht im schlechtesten Fall 3,57€ / 100 km. Im besten Fall 0€ / 100km. Kraftfahrzeugsteuer zahlt man gar nicht.
Die Standheizung und Standklimaanlage sind der Hammer. Das möchte ich nie mehr missen und sie funktionieren auch in Garagen emmisionsfrei. Im Winter steige ich in einem 23°C warmen Fahrzeug ein. Im Sommer steige ich in ein vorklimatisiertes Fahrzeug ein.
Vorne habe ich auch nochmal einen Kofferraum – das ist ein Platzwunder.

Was mir negativ aufgefallen ist:
da ich nicht mehr zur Tankstelle muss, sieht meine Frontscheibe aus, wie auf einem Schlachtfeld. Ich werde wohl in meiner Garage einen Eimer Wasser hinstellen müssen, damit ich daheim die Windschutzscheibe sauber machen kann…
Der Tesla ist ziemlich breit. Ich wollte eigentlich noch Distanzscheiben draufmachen, aber dann passe ich in fast keiner Waschanlage mehr rein. Holz in Ulm wäre dann die einzige, wo ich noch reinkommen würde…
Offensichtlich ist wohl Tesla genauso wie Apple eine Religion. Viele Teslafahrer denken, dass Tesla das beste Auto der Welt ist. Nein, ist es nicht. Ich hätte viele Verbesserungsvorschläge. Aber das hatte ich bei allen anderen Autos vorher auch. Viele, die noch nie einen Tesla aus der Nähe gesehen haben, kommen mit den abenteuerlichsten Vorurteilen aus der Presse. Nein, die meisten Punkte stimmen nicht. Die meisten Journalisten, müssen das schreiben, was sie schreiben, weil deren Werbekunden oder deren Leser das erwarten. Andere Journalisten recherchieren mit Google oder beziehen sich auf bezahlte Studien von der Automobillobby. Glaubt wirklich jemand, wir Tesla Fahrer sind so blöd und bezahlen durchschnittlich 100.000€ für ein schlechtes Fahrzeug, das nicht Praxistauglich ist?

 

Mythen über Elektroautos:
– Man muss Stunden lang warten, bis es vollgeladen ist. Nein, ich habe bis jetzt keine einzige Sekunde warten müssen um weiterzufahren. Entweder lade ich Zuhause oder am Zielort.
– Man bleibt regelmäßig damit mitten in der Pampa stehen. Nein, das Tesla Navi und die Prognostizierte Restreichweite arbeiten genial. Wer da irgendwo stecken bleibt, der hat es darauf ankommen lassen. Ich finde sogar das Navi etwas pessimistisch, da es oft versucht mit 20% Restreichweite dich zum Laden zu überreden. Aber vielleicht bleibe ich irgendwann mal irgendwo liegen 

Langstreckentauglichkeit:

Ich bin mehrfach 400km an einem Tag gefahren und musste nicht warten, damit das Fahrzeug aufgeladen wird.
Jetzt bin ich sogar nach Italien gefahren. Wir hätten noch einen Verbrenner, haben uns aber trotzdem Entschieden den Tesla zu nehmen. Jetzt denkt man: da muss man alles genau planen. Nein, vollgeladen losfahren und einfach das Hotel im Navi eingeben. Dann wird die optimale Route rausgesucht und wo man laden muss. Je nach Fahrweise ändert sich das noch. Wir mussten dann am Brenner aufladen. Nach Pinkeln gehen und frische Windeln für den kleinen, hat die Tesla-APP schon gesagt, dass wir weiterfahren können. In Trento mussten wir nochmal kurz laden. Aber auch da war das Fahrzeug viel schneller als wir: wir wollten nach 6 Stunden Fahrt eine Kleinigkeit essen. Mitten drin kam wieder: Fertig für die Weiterfahrt… Am Hotel mit 12% Akku angekommen konnten wir sogar direkt Laden. Hätten wir es nicht können, dann hätte es dort 11 Ladesäulen gegeben. Auf dem Rückweg war das laden genauso unproblematisch. Da an dem Tag irgendein Italienischer Feiertag war, standen wir 2 Stunden im Stau. Im Stau haben wir ca 3km Reichweite verloren. Die Klimaanlage / Lüftung lief die ganze Zeit. Bevor man da mit Leerer Batterie irgendwo stecken bleibt wegen Stau, verhungert man eher.

Mein Fazit:
Ein Tesla ist nicht nur Alltagstauglich und Langstreckentauglich, sondern auch noch komfortabler / angenehmer als ein Verbrenner. Ich werde mir mit Sicherheit keinen Verbrenner mehr kaufen. Es gab bis jetzt keine einzige Sekunde, wo ich einem Verbrenner nachgetrauert habe. Ich hab aber bis jetzt erst 7000km auf dem Tacho.
Aber: Würde ich nicht Zuhause oder in der Firma laden können, dann würde ich sofort wieder auf einen Verbrenner umschwenken. Dann macht für mich ein Elektroauto keinen Sinn mehr.

Für wen ist ein Tesla vermutlich nicht das richtige Auto?
Wer mehr als 200km am Stück mit 200km/h fahren will. Nach 200km ist der Akku leer. Nach Stuttgart oder München bin ich so schnell gefahren, was die Straße / Verkehr hergab und hab den Akku nicht leer bekommen. Ich vermute mal, dass man theoretisch den Akku von Ulm nach Würzburg leer bekommt mit voller Geschwindigkeit, da es dort hin nicht so viele Baustellen und Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt. Ich habe noch keine Gelegenheit gefunden nach Würzburg zu fahren. Also ist es nur eine Theorie.
Wer aktuell nach Osteuropa (Griechenland, Bulgarien, Türkei, Rumänien, Moldawien, Ukraine, Weißrussland usw…) fahren will, muss auf die 50kW Chademo Lader zurückgreifen. Mit anderen Worten: mit einer Stunde laden kommt man 250 km weit… Wenn man das nur einmal im Jahr macht, könnte man es verkraften. Diese Länder sollen aber dieses Jahr noch mit Supercharger ausgestattet werden.

Ich glaube, wenn ich einmal pro Woche von Ulm nach Hamburg fahren müsste, dann würde ich mir überlegen doch lieber einen Verbrenner zu fahren. Aber nach Hamburg würde ich vielleicht doch lieber den ICE nehmen…

Jeder der heutzutage einen Diesel fährt, wird es vermutlich tun, um Spritkosten zu sparen und guten Durchzug zu haben. Dabei nimmt man die starken Vibrationen im Kauf und den Traktorsound. Das alles kann ein Elektroauto besser. Mit anderen Worten: Wenn die Anschaffungskosten günstiger sind, dann macht ein Diesel keinen Sinn mehr.

 

Wer heute einen Benziner fährt, macht das aus unterschiedlichen Gründen:
Dem sind die laufenden Kosten egal, weil das Auto unter 20.000km bewegt wird. Da ist ein E-Auto in naher Zukunft keine Alternative. Dafür sind sie in der Anschaffung zu teuer.
Ein anderer Grund ist: Angst vor Einfahrverbote in Großstädte. Da ist ein E-Auto auf jeden Fall eine alternative. Vor allem, wenn dann auch Benziner für Einfahrverbote im Gespräch sind, die noch keinen Otto-Partikelfilter haben. Also quasi alle  Sprechen wir nochmal in 5 Jahre darüber…
Der dritte Grund: Ich will geilen Auspuffsound haben – naja, könnte man mit Soundgeneratoren hinbekommen. Aber ich würde da lieber einen Originalen Motorsound hören, als irgend ein Soundgenerator…
Der vierte Grund: Ich will die beste Performance. Auf ¼ Meile ist ja jetzt schon ein Tesla P100DL das schnellste Serienauto der Welt. Auf der Nordschleife hält auch ein Elektroauto ein NIO EP9 den Weltrekord. Und der Tesla Roadster wird den Bugatti Veyron vermutlich was Endgeschwindigkeit, ¼ Meile und 0-100 in allen Disziplinen schlagen und das für ein Bruchteil vom Preis.

Werden sich Elektroautos durchsetzen?
Ja. Auf jeden Fall. Tesla hat den Markt für Fahrzeuge um 100.000€ in viele Länder für sich gewonnen.
In USA, wo das Model 3 verkauft wird, hat es jetzt schon den Audi A4, Mercedes C Klasse, 3er BMW und Lexus IS in Verkaufszahlen überholt. Könnte Elon Musk mehr herstellen, würde Tesla mehr verkaufen als alle 4 Hersteller gleichzeitig.

Gehen die Lichter aus, wenn so viele Elektroautos gefahren werden?
Wie ich oben geschrieben habe, bekomme ich den Strom von NetzeBW so günstig, weil es unter Abschaltbare Lasten läuft. Mit anderen Worten: Haben wir Stromknappheit, dann dürfen die Netze den Strom jederzeit für die Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen und Nachtspeicheröfen abschalten. Das machen sie auch hin und wieder. Dann sehe ich in der Tesla App, dass der Ladevorgang abgebrochen wurde. Elektroautos sind also ziemlich gut um die Netze zu Stabilisieren und nicht wie die Presse behauptet eine Gefahr für die Netze…

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2 Gedanken zu „Erfahrungen mit Tesla Model S75D nach 8 Wochen / 7000km“

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