Audi e-tron Tesla Killer?

Zuerst mal möchte ich sagen, dass ich mich auf alle neue Elektroautos freue und wie manche schon festgestellt haben, ich kein Tesla Fanboy bin und auch viele Sachen bei Tesla verbesserungswürdig finde.

Ich wollte wissen ob es einen Fortschritt gab und die Messlatte höher gesetzt werden muss. Der Audi e-tron hat eine Ladeleistung an 175kW Schnellladestationen von 150kW und das bis zu beachtliche 80% SOC. Teslas laden mit nur 118kW und meiner mit 75kWh Batterie sogar mit nur 98kW. Zusätzlich kommt noch hinzu, dass die Ladekurven der Teslas viel früher (60% SOC) schon abfallen. Also muss das Audi e-tron das perfekte Elektroauto sein auf Langstrecke?

Ladekurve Audi e-tron von fastned
Ladekurve Tesla Model S/X 100kWh von abetterrouteplanner
Ladekurve Tesla Model S/X 75kWh von abetterrouteplanner

Routenvergleich Ulm – Pisa

 

Da die Praxis nicht einfach nur von der Ladegeschwindigkeit und Ladekurve abhängt, sondern auch von anderen Faktoren wie:

  • Verbrauch (hoher Verbrauch – länger laden
  • anzahl Ladestops – Umwege
  • Ladesäulenposition – neben der Autobahn besser als mitten im Ort
  • Ladeleistung der Ladestation

Abetterrouteplanner berechnet für Elektroautos anhand der Ladekurve, Verbrauch, Topographie, Geschwindigkeit, Temperatur und Zuladung die passende Route, Ladestops und Ladezeit. Ich kann den Routenplanner bestens empfehlen. Durch mehrere Langstrecken kann ich sagen, dass die Berechnung super genau ist.

Als Berechnungsgrundlage habe ich Ulm – Pisa genommen mit maximal 150km/h und 3% schneller als erlaubt.

So wie es aussieht, ist der Audi e-tron kein Tesla Killer, sondern bestenfalls ein Tesla Model X75D Killer, denn alle anderen Teslas sind schneller am Ziel. Selbst mein Model S 75D ist 27 Minuten schneller in Pisa obwohl ich eine kleinere Batterie habe und 35% langsamer laden kann.

Durch den hohen Verbrauch vom e-tron muss er länger laden und macht so seinen Vorteil in der Ladegeschwindigkeit kaputt.

Der Gewinner ist das Tesla Model 3 Long Range. Durch den niedrigen Verbrauch und der guten Ladeleistung von 118kW, schafft er die Strecke mit nur einem Ladestop. Dadurch muss er weniger Umwege nehmen und muss auch weniger laden. Er ist 1:26 Stunden vor dem e-tron am Ziel. So sehen Gewinner aus!

Der Verlierer scheint der Hyundai Kona elektro zu sein. Nein, das ist er nicht. Er ist Verlierer und gleichzeitig Gewinner. Wiso? Mit einem Preis ab 32.000€ zeigt er, dass er es auf Langstrecke durchaus mit den 100.000€ Elektroautos mithalten kann. Er ist gerade mal 21 Minuten nach dem e-tron am Ziel und beweist, dass man auch für wenig Geld ein tolles und alltags taugliches Elektroauto bekommen kann. Das ist mein Gewinner!

e-tron Route
Tesla Model S 75D
Model 3 Long Range

Update 08.03.2019

Tesla hat bekannt gegeben, dass die neuen Supercharger V3 250kW leisten können. Das erste Fahrzeug, dass davon profitiert ist das Model 3 und die Beispielroute könnte das Laden um ca 50% verringern. So muss man anstatt 52 Minuten für die Strecke nur 25-30 Minuten laden.
Hinzu kommt, dass die alten Supercharger mit den alten Teslas von 2012 ein Softwareupdate erhalten, dass die Ladekennlinie um bis zu 25% verbessert. So wird dann vermutlich aus 65 Minuten Ladezeit beim alten Tesla vermutlich 50 Minuten. Die Praxis wird es zeigen. Tesla hat über die Jahre schon einige mal per Software die Ladekennlinie verbessert um kürzere Ladezeiten und / oder schonende Ladung zu erreichen.

Preise

Wie viel kostet jetzt diese Reise Ulm – Pisa hin und zurück?

Tesla S 75D

Mein Tesla S 75D hat lebenslanges Supercharging. Die Reise kostet also ziemlich genau: 0,00€

Tesla Model 3 Long Range

Das Model 3 erhält 9 Monate kostenloses Supercharging. Anschließend würde diese Reise 40 CHF kosten. Umgerechnet aktuell (01.02.2019) 35,06€

Audi e-tron

Verwendet man den Audi Tarif, dann werden die Ladesäulen im Navi aufgelistet und man kann damit dann auch die Routen berechnen. Damit man überhaupt an Schnellladesäulen laden darf, muss man einen Transit-Vertrag abschließen über 17,95€ im Monat. Macht im Jahr 215,40€.

In Deutschland lädt der e-tron 57% von 95kWh macht 54,14kWh.
Die kosten an dieser Ladesäule sind 0,33€ / kWH macht 17,87€

In der Schweiz lädt er auch 54,14kWh. Das macht 20,03 CHF oder 17,56€

In Italien lädt er 32% / 30,4kWh. Das macht 10,03€

In der Summe hin und zurück macht das ohne Grundgebühr: 90,92€
Mit Grundgebühr kommt man vielleicht auf 100€ oder mehr. Je nach dem, wie lange man im Urlaub ist…

Diesel

Ein Diesel mit 7 Liter Verbrauch bei 1,30€ / Liter würde für die Strecke 131,59€ brauchen.

Fazit

Schnelle Ladegeschwindigkeit macht aus einem Elektroauto noch lange kein perfektes Fahrzeug für die Langstrecke. Der Verbrauch ist auch noch Maßgeblich für die Langstrecke. Insofern werden SUVs immer den kürzeren ziehen.

Um zur Eingangsfrage zurückzukommen, ist der e-Tron ein Teslakiller? Nach dem Audi-Slogan “Vorsprung durch Technik” ist Audi leider viele Jahre hinterher. Ein 2012er Tesla Model S hat durch die per Softwareupdate verbesserte Ladekennline ähnliche Ladeleistungen wie ein 2019er e-Tron. Vom Verbrauch ist der e-Tron eher eine Schande. Spreislich ist der e-Tron aktuell höher als ein besserer Tesla. Ich vermute, dass da Audi deutlich mit den Preis runter gehen muss. Einer der wenigen Vorteile ist beim e-Tron die große Sonderausstattungsliste. Wenn man z.B. TV-Empfang haben möchte, dann kann man das für 1350€ hinzubuchen. Für die vielen Ladepausen durch den hohen Verbrauch vielleicht sehr interessant 🙂 Oder z.B. die virtuellen Spiegel. Oder ein Head-Up Display usw…
Also für mich ist der e-Tron weit weg vom Teslakiller und man kann nur hoffen, dass der Porsche Taycan hier mehr bietet. Da bin ich sehr gespannt.

Wenn du meinen Blog unterstützen möchtest, dann würde ich mich über eine kleine Spende freuen:

5 Gedanken zu „Audi e-tron Tesla Killer?“

  1. Christian,
    ich finden deine Blog Einträge genial. Genau das Generve bzgl.
    geht so etwas überhaupt auf Langstrecke höre ich auch von allen Seiten.
    Ich habe im letzten Jahr 45 tkm mit meinem MS85 zurückgelegt. Wesentlich entspannter als mit dem Vrebrenner augrund der Pausen. Dafür haben wir insgesamt 421 Euro bezahlt und ich lade zu 99% an öffentlichen Ladesäulen.
    Da hierbei oft das Parken (in Berlin, Weimar, Erfurt und Jena jedenfalls ) kostenlos mit dabei ist, ergeben sich subjektiv noch weitere Einsparungen die nicht mit Geld aufzuwiegen sind.
    Beispielsweise zum Weihnachtsmarkt zu fahren und direkt unter dem Riesenrad (oder in Erfurt direkt am Dom) parken zu dürfen, obwohl alle Verbrenner aus der zentralen Innenstadt verbannt sind kann ich nicht in Währung ausdrücken.
    Meine Kids machen sich lustig über die Leute die immer wieder fragen … “dürfen die denn da stehen?”.
    Ja, dürfen sie und machen Sie auch.

    Vielleicht bastelst Du das mal in einen Blog Artikel ein.
    LG
    /mkl

  2. Christian,

    ein sehr schöner Vergleich. Ich denke, dass die eine Ladepause mit dem Model 3 jedoch etwas ungünstig gewählt ist. Ich würde hier eher 2 Stops einplanen, und dann nur bis 60% aufladen. Somit bist du im besseren Ladefenster, da mit mehr Leistung geladen werden kann und hast nicht nur 1 Pause mit 52 min, was doch relativ lange ist. Sondern 2 Pausen die dann beide etwa 25 min dauern. Passt meiner Meinung nach besser zur langen Strecke und du hast auch den Vorteil, dass du nicht nur 5% SoC in Pisa übrig hast.
    Und wenn dann der zweite Stop auch nur so kurz ist um eben auch mit den 5% anzukommen, wie die Mitbewerber, hast du beim Model 3 auf die Gesamtdauer sicherlich nochmal etwas Zeit gut gemacht.

    Trotzdem ein wunderschöner Vergleich. Bin auch extrem begeistert von deinem Teslalogger und warte nur noch auf mein Model 3 um das dann auch umzusetzen.

    Grüße
    der kleine Pinguin

    1. Prinzipiell hast du Recht, aber du darfst nicht vergessen, das du einen Umweg fahren musst. Zusätzlich kommt noch hinzu, das du in Italien durch die Maut Stationen rein und raus fahren musst und den supercharger suchen musst. Ich habe ein Mal 20 Minuten lang einen Supercharger gesucht, obwohl er vor meiner Nase war. Er war einfach 30m zu weit nördlich eingezeichnet. Die ein Stopp ladestrategie ist schon gut. Wenn man dann losfährt, würde ich nicht vorher viel essen, so dass man hungrig am supercharger ankommt. Dann merkt man nicht die Stunde Ladezeit.

  3. Hallo Christian,
    ich habe da noch eine Frage, was würde die Fahrt ohne gratis SuC Nutzung oder 400kWh Paket nach Pisa und zurück letztendlich kosten?
    Man könnte einwenden das Dein Tesla ja noch das gratis SuC hat, hättest Du jedoch Deinen Tesla zu einem Zeitpunkt bestellt an dem auch der E-tron bestellbar war wäre das ja entfallen.
    Vielen Dank vorab für Deine Antwort.
    Norbert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.